Der Heimat auf die Spur kommen

Millionen Urlauber besuchen jedes Jahr den Schwarzwald. Die Ferienregion um das höchste deutsche Mittelgebirge ist zugleich, Wohn-, Lebens- und Freizeitraum für rund drei Millionen Menschen. Für andere ist der Schwarzwald Geburtsort, der Ort an dem sie ihre Kindheit verbracht haben, wo ihre Familie wohnt – aber ist er auch „Heimat“?

Bollenhut, Kuckucksuhr, Kirschtorte – Sinnbilder einer Heimatsehnsucht?

Zig-Millionen Urlauber besuchen jedes Jahr den Schwarzwald. Die Ferienregion um das höchste deutsche Mittelgebirge ist zugleich, Wohn-, Lebens- und Freizeitraum für rund drei Millionen Menschen. Für andere ist der Schwarzwald Geburtsort, der Ort an dem sie ihre Kindheit verbracht haben, wo ihre Familie wohnt – aber ist er auch „Heimat“?

Fakt ist: Heimat ist kein veralteter Begriff, sondern ein aktuelles Thema - so „up to date“ wie seit den 50er Jahren nicht mehr. Aber vielleicht auch typisch deutsch. In vielen Sprachen gibt es gar kein eigenes Wort für „Heimat“.

„What the fuck ist Heimat?“  Der Offenburger Künstler Stefan Strumbel stellt die Frage in den Mittelpunkt seiner Werke – und trifft damit einen Nerv. Seine Motive bedienen sich der Schwarzwälder Klischees: Kuckucksuhr, Schwarzwaldmädel oder Kirschtorte.  Seit Jahrzehnten sind sie Dauerbrenner, beliebte Souvenirs oder „Must haves“, zwischenzeitlich etwas in die Jahre gekommen. Der neue und freche Umgang mit diesen Archetypen der Regionalkultur hat sie erfrischt und wiederbelebt. Strumbels Kuckucksuhren sind neongrell und knallbunt, verziert mit Totenköpfen und Engelsputten, Knochen und Gewehren. So bricht er Klischees und macht Altmodisches galeriewürdig.

Schwarzwälder Geschichte heute erleben

Schwarzwald Tourismus nutzt die Symbolkraft des signalroten Bollenhuts seit Jahren als Logo für die „Marke Schwarzwald“. Auch er signalisiert „Heimat“, doch was macht eigentlich seine Faszination aus? Am ehesten ist das im Gutachtal, einem Seitental der Kinzig im mittleren Schwarzwald zu erahnen. In den drei Dörfern Gutach, Kirnbach und Hornberg-Reichenbach gehört der Bollenhut zur Tracht und wird auch heute zu festlichen Anlässen getragen. Von ledigen Frauen mit 14 roten „Bollen“, von verheirateten mit 14 schwarzen. Nur noch wenige Frauen verstehen sich auf ihre Herstellung. Im „Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof“ können Besucher einer Hutmacherin hin und wieder über die Schulter schauen.

Das Freilichtmuseum bei Gutach ist seit 1964 das älteste in Baden-Württemberg. Sechs  Bauernhöfe sind auf dem Gelände im Original aufgebaut. Die typischen Walmdächer reichen tief herab: Im Winter tragen sie die Schneelast und halten die Wärme im Haus. Schmuckstück ist der 400 Jahre alte Vogtsbauernhof. Das Interieur mit Original-Möbeln, Feuerstelle, Rauchfang, Stallungen und Werkstätten gibt einen guten Einblick in die Geschichte des Bauernalltags. Auch so lässt sich das Heimatgefühl verorten.

Die alten Insignien von Heimat leben heute in den Museen fort: Im Schwarzwälder Trachtenmuseum im nahen Haslach lässt sich die Vielfalt der regionalen Alltags- und Festtagskultur ermessen. Die Trachten zeigen zugleich, wie kleinteilig früher „Heimat“ gedacht wurde: Gleich neben den drei „Bollenhut“-Dörfern grenzt sich die Kinzigtäler Tracht mit dem „Schäpel“ als Kopfschmuck ab, bestickt mit vielen hundert bunten Glaskügelchen.  

Helga Reichenbach präsentiert in ihrem „Heimethus am Scheffelbach“ in Schluchsee die Hochschwarzwälder Handwerks- und Volkskunst. Die gemütliche Stube von wirkt wie der Sitz einer alten Handwerkszunft. Sie selbst beherrscht verschiedene Metiers wie die Kunst der Trachtenstickerei, fertigt aber auch Kappen, „Schäpel“ und „Strohfinken“: Hausschuhe aus Stroh, Wolle und Schweinsledersohle, die im Winter besonders gut wärmen.

Das Schwarzwaldmuseum in Triberg zeigt Schwarzwalduhren aus vier Jahrhunderten,  selbstspielende Musikautomaten, bäuerliche Trachten und alte Handwerksgeräte – so wird „Heimat“ greifbar. Sogar ein Mineralienstollen zur Darstellung der Schwarzwälder Bergbautradition wurde hier naturgetreu rekonstruiert. Mehr wollen die meisten Besucher gar nicht.

Ein wenig ahnen, wie es früher war

Die Glasbläserei war über Jahrhunderte eine der wirtschaftlichen Säulen der Schwarzwälder. Heute gibt es noch eine „aktive Mundblashütte“ in Wolfach. In der „Dorotheenhütte“ dürfen Besucher sogar ihre eigene Vase blasen. Das angegliederte Gläsermuseum präsentiert 2000 Jahre Glasgeschichte – von der Entwicklung der Schmelztechniken bis hin zu den Ansiedlungsorten der früher gut hundert Glashütten im Schwarzwald.

Rund 1000 Objekte begleiten die Besucher im „Deutschen Uhrenmuseum“ in Furtwangen auf ihrer Reise durch die Zeitgeschichte. Sie beginnt bei der Sonnenuhr, erklärt fulminante Entwicklungen wie die Pendeluhr und endet in der Neuzeit bei der modernen Armbanduhr. Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf der Schwarzwälder Kuckucksuhr. Furtwangen ist nur einer der vielen früheren Zentren der Uhrenproduktion im mittleren und südlichen Schwarzwald an der 320 Kilometer langen „Deutschen Uhrenstraße“.

Auch in der „Auto- und Uhrenwelt“ in Schramberg sind vielfältige Exponate und  einmalige Raritäten zu sehen. Die Ausstellung „ErfinderZeiten“ illustriert sehr eindrucksvoll die Bedeutung der Uhr als Triebfeder der Industrialisierung. Und sie schlägt den Bogen von der Uhren- zur Automobilindustrie, denn in beiden spielten Schwarzwälder Pioniergeist und Erfindungsreichtum immer eine wichtige Rolle.

Heimat, die auf der Zunge zergeht

Zur „Heimat“ gehören natürlich auch die kulinarischen Spezialitäten einer Region – und die haben es im Schwarzwald in sich: Hinterwälder Rind, Schwarzwälder Schinken, Kirschtorte, Weine, Biere, Wasser, „Wässerli“ – wegen ihrer vielfältigen Köstlichkeiten gilt die Ferienregion vielen als „Deutschlands schönste Genießerecke“. Am besten, Sie lassen sich Heimat tatsächlich testweise auf der Zunge zergehen, vielleicht bei einem der mehr als 90 „Naturpark-Wirte“ oder einem der rund 50 Wirte am Kaiserstuhl. Sie alle haben sich die Verwendung heimischer Zutaten auf die Fahnen geschrieben. So schmeckt Heimat!

  Der Heimat auf die Spur kommen  (msword - 143,00 kB)
Jedes Jahr am 2. Augustwochenende feiert Bernau im Schwarzwald den Hans-Thoma-Tag. Erinnert wird an den berühmten Maler Hans Thoma, der 1839 in Bernau geboren wurde. Beim Festzumzug mit dabei: die Kindertrachtengruppe blank

Copyright

Tourist-Information Bernau