Schwarzwald-Tourismus seit 1906 organisiert

Die Gründung des Badischen Verkehrsverbandes 1906 gilt als Geburtsstunde der Schwarzwald Tourismus Gesellschaft (STG). Der 1906 in Karlsruhe gegründete „Badische Verkehrsverband zur Hebung des Fremdenverkehrs e.V.“ war der erste Tourismusverband im Südwesten Deutschlands. Er deckte bereits zwei Drittel des Schwarzwaldgebietes ab und gilt deshalb als Vorläufer der heutigen Schwarzwald Tourismus Gesellschaft.

49 „schwäbische“ Mitgliedsgemeinden des 1908 in Plochingen als „Württembergische-Hohenzollerische Vereinigung für Fremdenverkehr“ gegründeten Fremdenverkehrsverbandes Württemberg im nördlichen Schwarzwald schlossen sich 1974 mit den badischen Gemeinden  zum „Fremdenverkehrsverband Schwarzwald“ zusammen. 1996 wurde dieser umgetauft in „Schwarzwald Tourismusverband e.V.“ und fusionierte zum 1. Januar 2006 zusammen mit den drei regionalen Tourismusverbänden des nördlichen, mittleren und südlichen Schwarzwaldes zur Schwarzwald Tourismus Gesellschaft (STG).

Im Schwarzwald wird deshalb mit Ausstellungen und Veranstaltungen 2006 das Jubiläum 100 Jahre Tourismusorganisation gefeiert. Doch der Tourismus begann natürlich schon viel früher: Der erste wichtige Schritt für die touristische Erschließung des höchsten deutschen Mittelgebirges war 1760 die Aufnahme des ersten Postkutschen-Liniendienstes durch den Schwarzwald. Allerdings war das Reisen damit immer noch eher beschwerlich als vergnüglich. Einfacher hatten es im 18. Jahrhundert Adelige, die mit ihrer Equipage die Thermalkurorte am Schwarzwaldrand aufsuchten. Fürsten, Politiker, Unternehmer trafen sich zur Kur in Baden-Baden oder Bad Wildbad.

Von einem allgemeinen Tourismus konnte noch lange keine Rede sein, er kam erst im 19. Jahrhundert so richtig in Schwung. Doch noch während Adel und Großbürgertum das Leben in den Kurorten und Bädern genossen, entwickelte sich im bürgerlichen Mittelstand eine spezifische deutsche Form der Urlaubsreise: die „Sommerfrische“. Wohlhabende Städter reisten in den Sommermonaten oft mit der ganzen Familie aufs Land. Die Ansprüche waren bescheiden: Kinderfeste, Kegelbahnen, Kammermusik und Wanderungen in der Natur bestimmten den Ruf der „Sommerfrische“.

Der Schwarzwald war mit seiner vielfältigen Landschaft geradezu ideal für die Sommerfrischler, doch die Schweiz drohte ihm den Rang streitig zu machen. Deshalb gründeten Gastwirte und Industrielle 1864 in Freiburg den späteren „Badischen Schwarzwaldverein“. Das Reisen im Schwarzwald sollte gefördert, das Image als Sommerfrische poliert werden. In erster Linie ging es dem Schwarzwaldverein jedoch schon damals um die Förderung des Wanderns. Es wurden Wanderwege und Schutzhütten gebaut, Wanderkarten und Wanderführer herausgegeben.

Als 1873 dann die „Schwarzwaldbahn“ von Offenburg über Haslach, Triberg und Donaueschingen nach Singen und 1887 erstmals die  „Höllentalbahn“  von Freiburg nach Neustadt fuhren, waren solide Fundamente für die touristische Entwicklung gelegt. Nach der Gründung des ersten deutschen Skiclubs 1891 in Todtnau am Feldberg stand auch der Propagierung des Wintersports nichts mehr im Weg.

Nun musste eine Organisation her, die im In- und Ausland das Image des Schwarzwaldes prägen und neue Gäste werben sollte: Also wurde 1906 in Karlsruhe ein „Badischer Landesverband zur Hebung des Fremdenverkehrs e.V.“ gegründet. Dazu ließ der  – wie er später hieß - „Badische Verkehrsverband“ Plakate, Reiseführer, Prospekte für die Sommerfrische drucken und warb in Rundfunk- und Kinospots für den Schwarzwald. Mit der Bahn wurde um direkte Zugverbindungen und Feriensonderzüge verhandelt.

1908 folgte das schwäbische Pendant, doch angesichts nur weniger Schwarzwaldorte sah die „Württembergische-Hohenzollersche Vereinigung für Fremdenverkehr“ keine besondere Aufgabe in der Schwarzwald-Werbung.

Der erste Weltkrieg bremste den aufblühenden Schwarzwald-Tourismus wenige Jahre später aus. Danach machten mehrere Verkehrsgemeinschaften ihre eigene Werbung. 1933 erzwangen die Nationalsozialisten per Reichsgesetz die Zusammenschlüsse zum „Landesfremdenverkehrsverband Baden“ und zum „Landesfremdenverkehrsverband Württemberg-Hohenzollern“. Nach dem 2. Weltkrieg wurde daraus der Fremdenverkehrsverband Württemberg. In der amerikanischen Zone in Heidelberg gründete sich ein „Fremdenverkehrsverband Nordbaden“ und in der französischen Zone 1946 der „Badische Fremdenverkehrsverband“ in Freiburg.

1954 wurde daraus der „Badische Fremdenverkehrsverband Schwarzwald – Bodensee – Oberrhein e.V.“, 1969 der „Fremdenverkehrsverband Schwarzwald – Bodensee“.  1974 trennte man sich vom badischen Teil des Bodensees im Süden, nahm 49 württembergische Schwarzwaldgemeinden im Norden in den Verband auf und firmierte ab da als „Fremdenverkehrsverband Schwarzwald“. 1996 wurde daraus der „Schwarzwald Tourismusverband e.V.“

Mit „Touristik Nördlicher Schwarzwald e.V.“ in Pforzheim, „Mittlerer Schwarzwald Tourismus GmbH“ in Villingen-Schwenningen und „Tourismus Südlicher Schwarzwald“ in Freiburg hatte die Region im Südwesten Deutschlands damit vier Tourismusverbände. 

Seit Januar 2006 sind sie zur „Schwarzwald Tourismus Gesellschaft (STG)“ mit Sitz in Freiburg fusioniert. Diese ist damit als einzige Gesellschaft national und international für die Förderung und Vermarktung der Tourismusregion Schwarzwald zuständig. Zu ihr gehören 265 Mitgliedsgemeinden zwischen dem Oberrhein im Westen, der Schwäbischen Alb im Osten, dem Hochrhein im Süden und den Städten Karlsruhe und Pforzheim im Norden.

In den rund 3200 gewerblichen Beherbergungsbetrieben wurden im vergangenen Jahr für Jahr rund 18,6 Mio. Übernachtungen von Urlaubern gezählt, dazu kommen rund neun Millionen Übernachtungen in privaten Gästezimmern. Die Tourismusbranche ist mit rund 5 Milliarden Bruttoumsatz Wirtschaftsfaktor Nummer 1 und mit 137.000 direkten Arbeitsplätzen größter Arbeitgeber in der Region.

Eine ausführliche Geschichte des Tourismus im Schwarzwald finden Sie im Anhang, verfasst von Wolfgang Weiler.

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